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Begegnung mit der Pädagogik

Den "klassischen Elternabend" kennt jeder Vater und jede Mutter: man sitzt nach 20.00 Uhr auf zu kleinen Stühlen im Kreis, kontrolliert Adresslisten, wird mit Regeln und Abläufen der Schule vertraut gemacht, wählt vielleicht einen Elternvertreter, trägt sich in Elternarbeitslisten ein, etc,.. Auch das gibt es auf Biberkor zu Beginn jeden Schuljahres. Vor allem aber gibt es hier viel, viel mehr: ganze Nachmittage nämlich, an denen Eltern und Kinder die Freude am Lernen und Können zusammen feiern!

Diese  sogenannten "Materialfeste" oder "Projektpräsentationen" sind es, die sehr lebendige Einblicke in unsere Pädagogik geben und im wahrsten Sinne des Wortes "Feste" sind. Gastgeber und gleichzeitig Experten sind dabei die Kinder. Sie bereiten mit großem Eifer ihre Präsentationen vor, gestalten liebevoll die Räume, sorgen bei Ihren Eltern für Buffetspenden und empfangen schließlich erwartungsvoll die Gäste. Und die dürfen sich dann überraschen lassen: Da führen Zweitklässler Quadratwurzelziehen mit Montessori-Material vor, sprühen die Ideen beim "Erfinderfest", werden die Reisen des Kolumbus beim "Entdeckerfest" lebendig oder leuchtet Rotkohlsaft in allen Farben des Regenbogens beim "Fest der kleinen Forscher".

'Die Kinder heute sind unschlagbar schlau', fand auch Jan Weiler, Vater eines Biberkor-Drittklässlers, und fühlte sich beim Experimentieren in der Grundschule selbst nicht ganz auf der Höhe:

Unter Druck

Die hochdotierte Wette ist die Haupteinnahmequelle meines Sohnes. Er hat früh erkannt, dass eine Optimierung seines Portfolios nur durch die Kapitalisierung seiner Risikobereitschaft zu erzielen ist. Neulich wollte er mit mir darum wetten, dass seine Schwester länger als 15 Minuten, aber kürzer als eine Stunde telefonieren würde. Ich ging nicht darauf ein. Auch nicht, als er seinen Einsatz auf eine Million Euro erhöhte. „Du hast gar keine Million,“ sagte ich. „Du auch nicht,“ sagte er. „Ich will auch nicht wetten“, sagte ich. „Wetten, dass Du wetten würdest, wenn Du eine Million hättest?“, rief er. „Um hundert Euro!“ Wenn ihm allerdings etwas wirklich wichtig ist, wettet er um zehn Euro, weil er dann Aussichten hat, diese wirklich abzuzocken. So wie kürzlich, beim Wissenschaftstag in der Schule.

Tim liebt diese Veranstaltung. Die Kinder sitzen hinter ihren Schultischen und erwarten staunende Eltern. Auf jedem Tisch ist ein Experiment aufgebaut. Die Eltern müssen sich auf Stühlchen setzen und Fragebögen ausfüllen, in denen sie mutmaßen, was gleich und warum das gleich passiert. Im besten Fall knallt es wenig später oder es gibt eine Überschwemmung. Ich betrat die Klasse und wartete auf einen freien Stuhl. Ein ernstes Mädchen bat mich schließlich mit einer Sachbearbeitergeste, an ihrem Tisch Platz zu nehmen. Ich sah auf ihr Experiment und konnte es mir nicht erklären. Sie legte den Kopf schief und wartete auf eine Einlassung. Als von mir nichts kam, sah sie mich mit einer Mischung aus Geringschätzung und Mitleid an und sprach: „Ich sage nur ein Wort: Unterdruck.“

Ich tat so, als sei der Groschen gefallen und wechselte zu zwei Jungs, die sich gemeinsam einen Tisch teilten. Sie träufelten nacheinander Essig, Zahnpasta, Seife, Milch und Spülmittel auf zwei Tellerchen mit Rotkohl– und Hibiskusextrakt. Und jedes Mal fragten sie vorher: „Was meinst Du wohl, was jetzt passiert?“ Meistens veränderten sich die Farben der Extrakte. Nach der Beigabe von etwas Natron oder Backpulver blubberte der Rotkohlteller immerhin fröhlich wie ein hessischer Weinfestbesucher. Die Jungs waren begeistert. Ich auch. Dann landete ich bei einem jungen Herrn, der mich Flascheninhalte schätzen ließ. Er zeigte mir eine leere Sanbitter-Flasche. Ich trug auf dem Fragebogen eine Zahl ein. 80 ml. „Falsch“, sagte er. Dann zog er Spritzen auf und schoss diese in das leere Fläschchen. Auf diese Weise konnte man gut mitzählen, wie viel Milliliter tatsächlich hineinpassten. Ich wollte weiter, aber der Junge ermahnte mich streng, sitzen zu bleiben. Er habe noch weitere zwölf Flaschen, alle unterschiedlich groß. Ich lag jedes Mal daneben.

Am nächsten Tisch wartete ein Mädchen, das einen Luftballon unter ein Buch legte. Ob man das Buch anheben könne, ohne die Hände zu benutzen? „Niemals“ rief ich, aber sie blies in den Luftballon und das Buch erhob sich wie auf geheimen Befehl. An einem anderen Tisch wurde ich investigativ zu meiner inneren Einstellung in Bezug auf  Bäume und deren Tauglichkeit als Windschutz befragt. Ich sagte, dass so ein Baum sicher dafür geeignet sei. Darauf wurde ich gebeten, doch einmal gegen die Flasche vor der Kerze zu pusten. Ich blies gegen die Flasche, die Kerze dahinter ging aus. Ach! „Sowas nennt man Luftströmung, schon mal davon gehört?“ hieß es von meinem Gegenüber.

Dann kam ich bei meinem Sohn an, ich war schon völlig fertig und froh, dass ich für Intelligenz– und Eignungstests zu alt bin. Er begrüßte mich mit den Worten: „Wetten, dass ich das Glas umdrehen kann, ohne dass das Wasser herausläuft? Zehn Euro.“ Ich hielt matt dagegen. Nicht nur, weil ich ihm eine Freude machen wollte, auch weil ich mürbe war. Die Kinder heute sind unschlagbar schlau. Er legte eine Karteikarte auf das volle Wasserglas, drehte es um und nahm die Hand von der Karte. Sie fiel nicht ab, das Wasser blieb im Glas. „Tja, Papa. Luftdruck und ein bisschen Magie. Macht zehn Euro.“ Ich gab sie ihm.

Als alle Eltern sämtliche Tische passiert hatten, aßen sie Kuchen und quatschten. Die Kinder hielt es jetzt nicht mehr auf ihren Stühlen. Sie sprangen hoch, rissen die Terrassentür auf und entwichen innerhalb von wenigen tausendstel Sekunden aus dem Klassenzimmer. Ich sage nur ein Wort: Unterdruck.

Viele Grüße

Jan Weiler

 

 

Apfelernte auf Biberkor

Wieviele Bäume gibt es auf Biberkor?

Keine leichte Frage, denn unsere Schule steht mitten im Grünen, das Gelände ist sehr weitläufig und allein am Laurentiweg und im Obstgarten von Gut Biberkor stehen die Apfelbäume dicht an dicht. Und sie alle waren in diesem Herbst besonders schwer beladen mit reifen, saftigen Äpfeln: Zeit für unsere Apfelernte!

Also machten sich die 90 Kinder unserer Grundschule bei sonnigem Wetter einen Tag lang an die Arbeit. Zunächst musste das Fallobst aufgelesen werden. Hierbei galt es, vorsichtig zu sein, um beim Aufklauben nicht auf die guten Äpfel zu treten, von denen so viele im Gras lagen. Erste Erkenntnis beim Befüllen der Obststiegen: Äpfel sind schwer! Schon eine halb gefüllte Kiste muss gemeinsam von zwei Kindern getragen werden.

Als nächstes wurden die Baumstämme kräftig geschüttelt, um weitere Äpfel vom Baum zu ernten. Und schließlich kletterten die Kinder in die Äste und pflückten die letzten reifen Früchte mit der Hand.

Da es aber nicht nur um die Apfel-Ernte, sondern auch um die Herstellung unseres leckeren Apfelsaftes ging, musste das Obst nun gründlich gewaschen und für die Pressung vorbereitet werden. Hierbei half Herr Siersch, der in der Imkerei auf Biberkor arbeitet und den Schülerinnen und Schülern alles erklären konnte.

Schon das Waschen der knackigen Äpfel in den großen Bottichen im Lindenhof begeisterte die Kinder. Bei diesem Arbeitsgang wurden nochmal schlechte Früchte aussortiert oder faulige Stellen des Fallobstes herausgeschnitten – und vor allem ganz, ganz viele Äpfel gegessen!

Anschließend kamen alle Äpfel in die Obst-Presse, von wo aus der Saft in einen großen Kessel geleitet und auf 80° erhitzt wurde. Hier brodelte und dampfte er und verströmte dabei einen köstlichen Duft... Danach musste der gewonnene Saft zunächst in Schläuchen vakuumverpackt, und von dort später in die schön bedruckten Apfelsaft-Packungen umgefüllt werden.

Während die Kinder nach getaner Arbeit nachmittags mit den Schulbussen nach Hause fuhren, arbeitete Herr Siersch noch bis tief in die Nacht an der Saft-Presse. Denn immerhin hatten die Jungen und Mädchen sage und schreibe 160 Kilo Äpfel geerntet! Und freuen sich nun auf den guten Apfelsaft, von dem jede Lerngruppe am Ende etwa 20 Liter genießen kann.

Fotos: Carolina Abel

Text: Katrein Wilms-Wöltje

Erntedank 2012

Während unser erster Erntedankgottesdienst im letzten Jahr bei herrlichem Herbstwetter stattgefunden hatte, wurde in diesem Jahr unsere "Wallfahrt" zur schönen Mariä Himmelfahrts-Kirche in Aufkirchen von kühlem Regenwetter begleitet: Kein Problem für die bestens ausgerüsteten 1.-3.Klässler, denen auch Wind und Wetter nichts von ihrer Vorfreude nehmen konnte!

Nach der kleinen Wanderung durch Wiesen und Felder von Biberkor nach Aufkirchen kamen die Kinder zusammen mit ihren Lehrkräften und Begleitern pünktlich um 11.00 Uhr in der Kirche an, wo sie vom Vorbereitungsteam mit Gitarrenmusik (Tom Lugo) und einem Eröffnungslied (Madlen Scheytt mit einer Schülergruppe) empfangen wurden. Bald stimmten alle in das Lied ein und so begann unser festlicher Erntedankgottesdienst.

Als Madlen Scheytt dann das Märchen vom "Glückskürbis" vorlas, wurde es ganz still und andächtig in der wunderschön geschmückten Kirche. Im Märchen geht es um einen Jungen und seine kranke Mutter, die Dank des märchenhaften Glückskürbis mit Brot und Milch und Speck versorgt und vor schlimmen Hunger bewahrt werden. Am Ende macht ein Glas Honig die Mutter wieder gesund.



Im seinem Predigtgespräch nahm Pfarrer Eckart Bruchner die verschiedenen Motive des Märchens auf: Hunger, Nahrung, Dank. Und den segensreichen Honig, der auch auf Biberkor - mit seiner Imkerei - eine große Rolle spielt: Denn die gesamte biologische Vielfalt, ja die Menschheit selbst, so Bruchner, wäre in Gefahr, wenn es auf der Erde keine Bienen mehr gäbe. Dies auch die These des ausgezeichneten Films "More than Honey", der sich mit dem globalen Bienensterben und dessen fatalen Auswirkungen beschäftigt, und von dem Pfarrer Bruckner der jungen Gemeinde berichtete. Um zu zeigen, wie vielfältig das Arbeitsprodukt der Bienen ist, reichte Pfarrer Bruchner Honigkerzen aus unserer Imkerei durch die Reihen, die einen wundervollen Duft verströmten.



Im Anschluss sangen alle - von Tom Lugo an der Gitarre begleitet - das Erntelied "Gott hat die Welt so schön gemacht", und die Lerngruppen Gelb, Blau, Grün und Türkis trugen selbst formulierte Fürbitten vor.



Zum Abschluss des Erntedankgottesdienstes beteten die Kinder und Erwachsenen unter Anleitung von Simone Schlegel sehr eindrucksvoll das Vaterunser in Gebärdensprache.
Am Ausgang der Kirche wurden passend zur Glückskürbis-Geschichte noch Kürbiskerne zum Einpflanzen verteilt.



Dann ging es zurück nach Biberkor - zum gemeinsamen Mittagessen. Gottseidank.

Text: Pfarrer Eckhard Bruchner (ev. Religion), Katrein Wilms-Wöltje (päd. Geschäftsführung)